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Merlin Hellinckx

Erst simulieren, dann entscheiden

Von | Prozessoptimierung

Viele Entscheidungen in Produktion und Logistik wirken zunächst klar.

 

 

Eine neue Maschine soll Wartezeiten reduzieren, ein Ablauf soll schneller werden oder eine Fläche soll besser genutzt werden. In der Praxis zeigt sich aber oft erst nach der Umsetzung, ob die Maßnahme wirklich zum gesamten Prozess passt.

 

Genau hier setzt Simulation an. Sie bildet einen Ablauf vereinfacht, aber nachvollziehbar digital ab. Dadurch entsteht ein geschützter Raum, in dem Varianten geprüft werden können, bevor im echten Betrieb investiert, umgebaut oder umgestellt wird.

 

Ein typischer Fall ist die Anschaffung einer zusätzlichen Maschine. Auf den ersten Blick scheint sie ein Kapazitätsproblem zu lösen. Entscheidend ist aber nicht nur, ob diese Maschine schneller arbeitet. Wichtig ist auch, ob die Materialversorgung weiterhin sichergestellt werden kann, ob Personal verfügbar ist und ob nach- oder vorgelagerte Arbeitsplätze mithalten können. Sonst entsteht der nächste Engpass nur an anderer Stelle.

 

Ohne Simulation bleibt diese Einschätzung häufig eine Mischung aus Erfahrung, Annahmen und einzelnen Kennzahlen. Das ist nicht falsch. Erfahrung bleibt wichtig. Sie reicht aber nicht immer aus, wenn mehrere Arbeitsschritte, begrenzte Ressourcen und schwankende Zeiten zusammenwirken.

 

Mit einer Simulation lässt sich derselbe Ablauf mehrfach betrachten. Eine Variante zeigt den aktuellen Zustand. Eine andere Variante zeigt, was sich verändert, wenn eine Maschine ergänzt, ein Arbeitsplatz anders besetzt oder eine Reihenfolge angepasst wird. Dadurch werden Wartezeiten, Rückstaus und Auslastungen im Zusammenspiel sichtbar.

 

Besonders hilfreich ist das bei Entscheidungen, die später schwer oder teuer rückgängig zu machen sind. Eine falsch dimensionierte Maschine, ein ungünstiger Materialfluss oder eine zu knappe Personalplanung verursachen nicht nur Kosten. Sie binden auch Zeit und Aufmerksamkeit im laufenden Betrieb.

 

Simulation liefert dabei keine automatische Antwort auf jede Frage. Sie ersetzt auch keine fachliche Bewertung. Sie macht aber Zusammenhänge sichtbar, die in Tabellen oder Einzelbetrachtungen leicht übersehen werden. Gute Entscheidungen entstehen dadurch nicht aus einem einzelnen Ergebnis, sondern aus einem besseren Verständnis des Gesamtsystems.

 

Mit Simulation lassen sich zum Beispiel folgende Fragen gezielt prüfen:

  • Welche Wirkung hat eine geplante Investition tatsächlich auf den gesamten Ablauf?
  • Wird ein bestehender Engpass gelöst oder entsteht dadurch an anderer Stelle ein neuer Engpass?
  • Reicht die geplante Kapazität aus, um den Ablauf auch bei Schwankungen stabil zu halten?
  • Welche Variante bietet den größten Nutzen bei gleichzeitig geringstem Umsetzungsrisiko?
  • Welche Folgen hätte es, wenn die Maßnahme anders wirkt als ursprünglich angenommen?  

Mein Fazit:

Simulation hilft, Entscheidungen vor der Umsetzung besser abzusichern. Sie zeigt, wie sich eine Idee im konkreten Ablauf auswirken kann. Gerade bei Investitionen, Prozessänderungen oder neuen Kapazitäten entsteht dadurch eine sachlichere Grundlage. Das Risiko einer Fehlentscheidung wird reduziert, weil mögliche Auswirkungen bereits vor der realen Anschaffung oder Umstellung sichtbar werden: erst verstehen, dann entscheiden, dann umsetzen.

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Warum 100 Prozent Auslastung kein Lean Ziel ist

Von | Prozessoptimierung, Veränderungsmanagement & Digitale Transformation

Viele Unternehmen wollen ihre Ressourcen möglichst gut nutzen.

 

Das ist grundsätzlich sinnvoll. Kritisch wird es dort, wo Auslastung zur wichtigsten Zielgröße wird und andere Faktoren in den Hintergrund geraten.

 

Denn ein Prozess ist nicht automatisch gut, nur weil Maschinen, Mitarbeitende oder Transportmittel rechnerisch sehr stark ausgelastet sind.

Ein typisches Beispiel ist ein eng geplanter Ablauf, bei dem Material, Personal und Kapazitäten genau aufeinander abgestimmt sind. Solange alles nach Plan läuft, funktioniert das gut. In der Praxis führen aber schon kleine Abweichungen rasch zu Problemen, zum Beispiel durch verspätetes Material, ungeplante Zusatzaufträge oder schwankende Bearbeitungszeiten. Dann zeigt sich schnell, ob ein Prozess nur gut ausgelastet oder tatsächlich robust geplant ist.

Aus meiner Sicht wird genau hier oft zu wenig hingeschaut.

Ein hoher Auslastungsgrad kann zwar positiv wirken, gleichzeitig entstehen aber häufig Nachteile:

    • es bleibt kaum Spielraum für Abweichungen
    • der Druck auf Mitarbeitende steigt
    • Wartezeiten und Rückstaus nehmen schneller zu
    • laufende Verbesserung wird im Alltag schwieriger
    • Planungen müssen häufiger kurzfristig angepasst werden

Lean bedeutet für mich daher nicht, alles vollständig zu belegen, sondern Prozesse so zu gestalten, dass sie stabil, beherrschbar und kontinuierlich verbesserbar bleiben.

Genau an diesem Punkt kann Simulation einen großen Mehrwert bieten. Mein Spezialgebiet ist es, Prozesse realitätsnah abzubilden und kritische Szenarien bereits vorab sichtbar zu machen. Dadurch lässt sich untersuchen, wie sich unterschiedliche Auslastungen, Störungen oder Abläufe tatsächlich auf das Gesamtsystem auswirken.

Mit Simulation lassen sich unter anderem folgende Fragen beantworten:

    • Wie reagiert ein Prozess auf kleine Störungen oder Verzögerungen
    • Ab wann kippt ein stabiler Ablauf in Wartezeiten und Rückstau
    • Wo sind sinnvolle Puffer notwendig
    • Welche Auswirkungen haben geänderte Reihenfolgen oder Kapazitäten
    • Wie können Prozesse effizienter und gleichzeitig robuster gestaltet werden

Der große Vorteil dabei ist, dass nicht nur der Idealfall betrachtet wird. Simulation macht sichtbar, was unter realen Bedingungen passiert und schafft damit eine deutlich bessere Grundlage für Entscheidungen.

Mein Fazit:

100 Prozent Auslastung sollten nicht isoliert als Ziel betrachtet werden. Entscheidend ist, wie gut ein Prozess insgesamt funktioniert. Wer Effizienz, Stabilität und Verbesserung gemeinsam denken will, braucht mehr als eine reine Auslastungsbetrachtung. Genau hier kann Simulation helfen, Zusammenhänge frühzeitig zu erkennen und Prozesse gezielt weiterzuentwickeln.

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